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Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde

St. Moritz Taucha
 
 
 

Gemeindegruß

Liebe Gemeinde,

Sehlis - Corpus Christidas Wort „Schicksal“ hat oft einen dunklen Klang. In der lateinischen Sprache bedeutet das entsprechende Wort “fatum” die unabänderliche Weltordnung, die selbst über den Göttern steht. Daher wird es meist für ein unabwendbares Unglück, besonders für den Tod, gebraucht.

Heute lesen wir in Nachrufen oft von einem „schweren Schicksal”, das eine/r zu ertragen hatte. Dabei fällt auf, dass sich das Eigenschaftswort “schwer” fast von selbst einstellt, wenn vom Schicksal die Rede ist. So stellt sich denn die Frage, ob es überhaupt ein leichtes Schicksal gibt? Höchstens sagt jemand: “Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint.”

„Schicksal” – das hört sich traurig an. So, als ob etwas auf einen Menschen zukommt, dem er nicht ausweichen kann: eine unheilbare Krankheit; die Trennung von einem Menschen, mit dem er in Liebe verbunden war; ein Unfall mit bleibenden Folgen; der Tod. Manchmal sagen wir dann mit Respekt: „Er hat sein Schicksal tapfer getragen.” Aber nicht jeder kann das. Mancher leidet unter dem, was wir Schicksal nennen, mancher ist darunter zerbrochen.

In diesen Wochen hat wieder die Leidenszeit Christi begonnen, die Zeit, in der wir uns erinnern an sein Schicksal, seine Schmerzen, seinen Tod. Es gehört zum Lebensschicksal vieler Christen, dass sie von Leid, Schmerzen und Demütigungen nicht ausgenommen werden – so wenig wie Jesus selbst. Wahrscheinlich gehört es zu den schwersten Aufgaben des Lebens, zu lernen, dass Jesus das Leid nicht aus der Welt geschafft hat. Vielmehr hat er es auf sich genommen, getragen und ertragen, um auf und an der Seite derer zu stehen, denen es ähnlich geht wie ihm.

In diesem Sinne sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s erhalten.“ (Mark. 8, 34f.)

Sich selbst verleugnen und sein Kreuz auf sich nehmen – heißt das, alle Fröhlichkeit und allen Frohsinn aus unserem Leben zu vertreiben, im Bilde gesprochen: nur noch in Sack und Asche herumzulaufen?

Damit wäre Jesus missverstanden. Denn er hat selbst viel und gern gefeiert. Und wenn er einen Menschen zur Nachfolge aufgefordert hat, dann hat er von ihm niemals mehr verlangt, als er zu leisten imstande war. Aber seine Leidensankündigungen, seine Voraussage des Sterbens, die Annahme des Schicksals, das Gott ihm zugedacht hatte – das ist ein deutliches Zeichen gegen alle, die meinen, es sei der Sinn des Lebens, möglichst dem Leid auszuweichen, dem Leben nur das Beste abzugewinnen, eigene Wünsche oft auf Kosten anderer zu erfüllen.

Hätte Jesus das getan, wäre er dem Versuch erlegen, seinem Lebensschicksal auszuweichen – er hätte nicht gelitten und wäre nicht gestorben. Er wäre dann aber auch nicht auferstanden. – Und was wäre dann mit uns?


Mit diesen Gedanken zur Passionszeit grüßt Sie

im Namen aller Kirchvorsteher und Mitarbeiter
Ihr Stefan Zieglschmid

 

 

 

 
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