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Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde

St. Moritz Taucha
 
 
 

Andacht

Alles trist und grau? Der November – ganz anders als gedacht

StrohDer November ist sicherlich der unbeliebteste von allen Monaten im Jahr. Es wird zeitig dunkel, draußen ist es ist kalt, trübe und nass. Die bunten Feste des Sommers und des Herbstes sind vorbei, dafür jetzt Erinnerung an Trauer und Vergänglichkeit: Volkstrauertag, Totensonntag, die Gräber winterfest machen.

Doch der November bietet auch warme und helle Momente: Am Ewigkeitssonntag lenken wir den Blick weg vom Tod hin auf Gottes neue Welt und das ewige Leben. Zudem erinnern wir uns an ein besonders schönes Ereignis unserer Geschichte: Der Fall der Mauer. Das große Wunder vor 30 Jahren: Eine Revolution ohne Waffengewalt und Blutvergießen, dafür aber mit Kerzen und Gebeten. Die Erinnerung daran macht Mut und Hoffnung. Wir können darauf vertrauen, dass Gott auch gegen allen Augenschein so manches Leid zum Guten wenden kann.

Dieses Vertrauen hatte auch Hiob, von dem unser Monatsspruch für November stammt. Hiob, die wohl tragischste Gestalt der Bibel. Alles hat er verloren, steht vor den Scherben seiner Existenz. Selbst seine Frau rät ihm, sich von Gott loszusagen und zu sterben. Doch Hiob will Gott nicht loslassen. In aller Verzweiflung und Not ruft er trotzig hinaus: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ (Hiob 19,25).

„Ich weiß“, sagt Hiob und nicht „ich glaube“ oder „ich hoffe“. Eine unvorstellbare Gewissheit. Ich frage mich: Hätte ich die an seiner Stelle auch? Ist mein Glaube stark genug um mich in Katastrophen zu tragen? Das werde ich wohl erst dann erfahren, wenn es soweit ist. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat einmal gesagt: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandkraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus.“ Diese feste Glaubensgewissheit Hiobs kann wohl nur ein Geschenk Gottes sein. Hiobs Geschichte zeigt: Furchtbare Gottverlassenheit und absolute Gewissheit der Gottesnähe liegen nah beieinander. Besonders deutlich wird dies in Kreuz und Auferstehung Jesu, unseres Erlösers.

Manchmal braucht es einfach das Dunkel, damit Gottes Licht besonders hell erstrahlt. Deshalb lasst uns auch im kalten und trüben November die Augen offen halten, wo Gott uns mit seiner Wärme und seinem Licht begegnen will.

Pfarrer Nico Piehler



 

 

 

 
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