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Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde

St. Moritz Taucha
 
 
 

Gemeindegruß

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser,

Zeitwas wäre mit uns, wenn wir nicht an die Kraft von Pfingsten, den Heiligen Geist, sondern an das Motto „Alles soll bleiben wie es ist“ glauben würden? Stellen wir uns einmal vor, wie solch eine Welt, solch eine Gemeinde, ja das eigene Leben aussehen würde…

Vielleicht würden wir irgendwann anfangen uns zu langweilen. Auf jeden Fall wäre das keine Gemeinschaft, die anziehend auf andere wirken würde, sondern mit den Jahren aussterben und mit ihr die Sache Jesu hier am Ort zu Ende gehen würde. Man würde nicht mehr viel darüber reden, denn Belanglosigkeiten haben dasselbe Schicksal wie Eintagsfliegen.

Auf unserem Titelbild ist eine andere Kraft zu sehen. Da hat ein Künstler versucht, das Feuer des Heiligen Geistes abzubilden, das ein Herz entflammt. Und doch gibt es auch das Andere, die Schwerkraft: Alles soll bleiben wie es ist. Wie oft stehen wir zwischen diesen zwei Kräften!

Gut, das wir in diesem Monat – wo der neue Gemeindebrief erscheint – wieder Pfingsten feiern und gemeinsam um diesen Geist bitten können, der Menschen und Gemeinden belebt, ja begeistern kann. Vielleicht ja mit ähnlichen Worten, wie im nachfolgenden Pfingstlied:

Oh dass doch bald dein Feuer brennte.
Du unaussprechlich Liebender,
und bald die ganze Welt erkennte,
dass du bist König, Gott und Herr.
Beleb, erleucht, erwärm, entflamme,
doch bald die ganze weite Welt,
und zeig dich jedem Völkerstamme
als Heiland, Friedefürst und Held.

Wie ergreifend sind die Bitten dieses Liedes. Doch wie schwierig ist es, sich immer wieder neu dieser Kraft auszuliefern. Oft sind wir zwar mit unseren Lippen für Veränderung, für Neues. Alte Verhaltensmuster aber abzulegen, unseren Lebensstil, uns selbst wirklich zu verändern, das fällt wohl den meisten von uns sehr schwer. Da braucht es manchmal schon einen heftigen Anstoß, wie z.B. die Diskussion um die bevorstehende Strukturreform. Dabei schrieben schon unsere Vorfahren im Glauben auf ihr Banner: Ecclesia semper reformanda. Das heißt: Die Kirche muss ständig reformiert werden.

Aber wie schwer tun wir uns auch im Jahr des Reformationsjubiläums damit. Nein, ich meine jetzt nicht den Hinweis darauf, was andere anders machen sollen, sondern wir, d. h. eine jede und ein jeder von uns. Der Ursprung von Pfi ngsten – so erzählt uns die Apostelgeschichte – war ein Warten, Nichtstun und Ausharren, also eine Geduldsprobe. Doch dann als der Pfingsttag kam, waren sie für das Neue bereit. Sie waren bereit, sich von Gottes Geist ergreifen zu lassen. Dann geschah dieses gewaltige Ereignis, die Geburtsstunde der Kirche, das Ablegen der Furcht, das mutige Zeugnis für Jesus Christus auf den Straßen und Plätzen, das mutige Einstehen für die Rechtlosen und Armen.

In diesem Sinne wird Pfingsten, liebe Schwestern und Brüder, nicht wenn es auf dem Kalender steht, sondern dort, wo wir unser Herz für Gottes Wirken öffnen. Wenn Gottes Geist aber kommt und in uns wirkt, dann kann es passieren, dass nichts mehr bleibt wie es war. Wenn diese Kraft uns berührt und uns zu einem Leben aus der Liebe befähigt, dann kann es sein, dass wir voller Begeisterung anderen von unserem Glauben erzählen.

Und weil wir uns als Beschenkte zu sehen beginnen, deshalb wollen wir auch mit anderen gemeinsam im Gottesdienst Gott danken.

So, liebe Gemeinde, beginnt Kirche wieder zu blühen und dadurch wird sich unser Leben verändern – denn wer liebt, lebt anders.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen – uns allen – ein gesegnetes Pfingstfest und ein „brennendes“ Herz
Ihr Pfarrer C. G. Edelmann

 

 

 

 
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