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Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde

St. Moritz Taucha
 
 
 

Gemeindegruß

Liebe Gemeindeglieder,

Nun komm der Heiden Heilanddass Martin Luther ein begabter Lieddichter war, ist sicherlich bekannt. Doch er dichtete nicht nur neue Lieder, er übersetzt ebenfalls die alten. So aktiviert er in seinem Liedschaffen eine tausendjährige Liedgeschichte von den altkirchlichen Hymnen über die lateinischen liturgischen Stücke bis zum mittelalterlichen Strophenlied. – Einige Beispiele sind in unserem Gesangbuch noch enthalten.

Auf diese Weise entsteht auch ein Zyklus von Festliedern auf das Jahr 1523/24, in dem erstmals das Adventslied „Nun komm, der Heiden Heiland“ enthalten ist. Seinem Ursprung nach ist es der um 386 von dem Mailänder Bischof Ambrosius gedichtete Hymnus „Veni redemptor gentium”. Doch anders als Thomas Müntzer versucht Luther nicht eine Übertragung des Hymnus in ein zeitgemäßes Lebensgefühl. Ihm geht es gerade um das Glaubenszeugnis, wie es dieser alte lateinische Hymnus formuliert. Darum versucht er eine möglichst wörtliche Übertragung. Und um dieses Ziel zu erreichen, nimmt er sogar einen schwerfälligen Sprachfluss in Kauf. – Luther will uns damit einladen, einzustimmen in ein gesungenes altkirchliches Christusbekenntnis, will uns einladen, uns mit ihm zu wundern. Denn es geht um „der Jungfrauen Kind”, dem Gott eine so außergewöhnliche Geburt bestellt, „daß sich wundert alle Welt”. Aber können wir uns wirklich noch darüber wundern?

Gewiss, in unserem modernen und aufgeklärten Glauben gibt es kaum noch einen Platz für Wunder. Glaube äußert sich in praktischer Lebenshilfe. Es gibt so viele Probleme in unserer Welt und unserer Gesellschaft, die uns als Christen und als Kirche in die Verantwortung nehmen. Von Nichtchristen wird an uns immer wieder die Erwartung herangetragen, wir müßten deutlichere Worte sprechen und sichtbarere Zeichen setzen. Und sie haben recht. Doch wir müssen uns – wie seinerzeit 1523 die Reformatoren – immer wieder fragen: Wer steht im Mittelpunkt unseres Glaubens: Gott oder der Mensch? Trauen wir Gott noch zu, dass er in unsere Welt gestaltend und verändernd eingreift?

Akzeptieren wir noch, dass uns unser Leben von ihm gegeben ist, wir ihn für eine sinnvolle Gestaltung unseres Lebens dringend brauchen und wir ihm eines Tages über unser Leben werden Rechenschaft ablegen müssen? Glauben wir, dass er Jesus von den Toten auferweckt hat und glauben wir ihm, dass er mit uns dasselbe vorhat? – Nur, wenn wir diese Fragen mit einem ehrlichen Ja beantworten können, wird die Adventszeit für uns wirklich zu einer Zeit des Erwartens und Weihnachten wirklich zu einem Wunder werden. Dann nämlich erwarten wir von Gott alles für unser Leben und werden erfahren, dass es uns auf wunderbare Weise geschenkt wird.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen aller Kirchvorsteher und Mitarbeiter erwartungsvolle Adventstage und eine „wunder“bare Weihnachtszeit

Ihr Stefan Zieglschmid


 

 

 

 
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