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Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde

St. Moritz Taucha
 
 
 

Gemeindegruß

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser,

Zeit„Es lebe die Reformation“, so lautet die etwas provokante Unterschrift des Titelbildes in Anlehnung an Che Guevaras Ruf „Es lebe die Revolution“. Bis heute wird sein Erbe in Kuba gepflegt. Was aber ist von Luther und seinen Thesen, die eine kirchliche, politische und kulturelle Revolution einleiteten, und von den fünf Grundsäulen der Reformation – sola scriptura (allein die Schrift), solus christus (allein Christus), sola fide (allein der Glaube), sola gratia (allein die Gnade) und soli deo gloria (allein Gott die Ehre) – für unsere Zeit und unsere Kirche noch relevant?

Haben Sie, neben den vielen interessanten Veranstaltungen und besonderen musikalischen Events des Lutherjahres, etwas für sich gefunden von dem Sie sagen können: Das muss unbedingt weiterwirken in unserer Gesellschaft und erst recht in unserer Kirche bzw. Gemeinde? Gibt es etwas, dass Sie für sich und ihr Leben bedenken, ja festhalten möchten? Oder schließen Sie sich der Kritik am Reformationsjubiläum der Pfarrer Wolf und Schorlemmer an, die in einer kleinen Streitschrift mit dem Titel „Reformation in der Krise“ feststellen: Das Programm sei „zum Fanal einer grandiosen Selbsttäuschung“ geworden.

Aber liegt es am Programm und den Veranstaltungsmachern? Oder liegt es nicht vielmehr daran, dass vielen Menschen, die Kirche vor Ort sind, die grundlegenden Erkenntnisse Luthers, die Säulen der Reformation fremd geworden sind?

Wie passt denn das „allein Christus“ in unsere individualisierte Gesellschaft, wo – glaubt man vielen Beobachtern, Psychologen und Soziologen – es so vielen Menschen nur noch ums Eigene geht, um ihr Selbst?

Wo die Parole heißt: Hauptsache ich. Kann es nicht gleichzeitig heißen: Allein Gott die Ehre! Steht da nicht Christus mit seinen Worten und Werten, die sich in Sätzen wie „Was du getan hast einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das hast Du mir getan.“ zeigen, der Selbstoptimierung im Wege?

Wie könnte die Heilige Schrift allein gültige Maßstäbe geben, wenn doch so viele Erkenntnisse und Formen des Zusammenlebens gar nicht in ihr thematisiert werden?

„Allein der Glaube“ – aber welcher? Wer traut sich in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft heute noch zu sagen: „Für mich zählt allein der Glaube an Jesus Christus!“?

Fragen sich nicht auch viele: Kann „allein die Gnade“ Gottes uns retten, angesichts von Krieg und hasserfüllten Terrorristen, die sich auch auf einen Gott berufen?

Nun, liebe Schwestern und Brüder, ich möchte nicht nur Fragen stellen, obwohl auch Fragen an uns zu unserem Leben gehören, z.B. die Frage: Bin ich so wie ich lebe vor Gott richtig?

Ich möchte auch eine Antwort geben: Ja, allein der Glaube an Jesus Christus, der uns Gottes Liebe und gnädige Zuwendung zu den Menschen gezeigt hat, kann unser Leben und Zusammenleben positiv verändern. Wenn wir wieder lernen, Gottes Wort zu vertrauen und ihn ehren, statt Menschen zu vergöttern. Denn Leben ist mehr als Selbstverwirklichung.

Das Eigene ist wichtig, aber es ist längst nicht alles im Leben. Meine Freiheit ist wertvoll; mein Wegsehen von mir selbst aber auch. Mein gutes Recht ist nützlich; der gelegentlicher Verzicht darauf auch. Sicher ist es gut, sich selbst wichtig zu nehmen, aber Rücksicht auf andere hilft mir ebenso. Vielleicht ist es ja auch gut, wenn ich ab und an meine Freiheit dazu benutze, anders sein zu können. Nicht der zu bleiben, der ich nach den Vorstellungen anderer sein sollte.
Darin liegt womöglich sogar mein Glück. Denn Jesus sagt: Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; wer es aber verliert um meinetwillen, der wird’s finden. (Übrigens, solche Sätze stehen in der Schrift, die Luther ins Deutsche übersetzte.)

Ich verstehe Jesus so: Wenn ich etwas um seinetwillen tue, dann ist das für mich ein Gewinn. Vielleicht braucht es dazu die Reformation, meine ganz eigene Reformation. Denn es stimmt nicht, was man immer wieder in den Medien hören kann, dass man sich nicht davon abhalten lassen soll, so weiterzuleben wie bisher. Wenn ich in die falsche Richtung laufe, dann hilft es nicht, immer so weiter zu laufen. Besser ist es doch zu fragen: Will ich das alles? Und will ich es so?

Gnade heißt auch: Mit Gottes Hilfe umkehren zu können – zu einem Leben im Glauben an Gottes Liebe, wie sie mir in den Worten der Heiligen Schrift begegnet und im eigenen Leben durch andere Menschen erfahrbar wird.

Viva la Reformation! Sie sind herzlich dazu eingeladen, das mit mir zum Gemeindefest am 31.10.2017 zu feiern!

Ihr Pfarrer C. G. Edelmann

 

 

 

 
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